15. - 19.6. Aktionstage zum Bildungsstreik in Leipzig
Auch in Leipzig wird es wie in vielen Städten Bildungsstreikaktivitäten geben, an denen sich auch die FAU beteiligt. Herzstück ist die Demonstration am 17.6. um 10:30 an der HTWK hin zum Augustusplatz. Auch die ErzieherInnen der Kitas demonstrieren am gleichen Tag, 11 Uhr vom Volkshaus aus. Wer an diesen Demonstrationen mit der FAU zusammen teilnehmen möchte, kann sich zur besseren Koordinierung auch schon im Vorfeld an leipzig [at] fau.org bzw. bildungsinitiative [at] fau.org wenden. Siehe auch die lokale FAU Homepage.
Am 16.06. um 11 Uhr findet die Informationsveranstaltung zum Bildungsstreik im Innenhof des NSG statt. Infos vor Ort in der Aktionswoche gibt es rund um die Uhr am Infostand/Cafe im Neuen Seminargebäude (Universitätsstraße 1, Innenstadt), Räume 101 - 105. Das ganze Programm der Aktionswoche findet Ihr auf der lokalen Bildungsstreikseite.
Auch in Halle wird was los sein, schaut doch mal auf ihren Blog. Interessierten SchülerInnen im Landkreis Leipzig und im Erzgebirge können wir Kontakte vermitteln. Informationen zu anderen Städten gibt es auf www.bildungsstreik2009.de
Die FAU Münster hat ein Online-Dossier zu den Hintergründen der aktuellen Hochschulmisere veröffentlicht.
Und das Leipziger Bildungsstreik-Bündnis hat folgende Forderungen aufgestellt:
Forderungen zum Bildungsstreik 2009 in Leipzig
Weltweit ist Bildung im Wandel: Das Ideal einer zur kritischen Reflexion befähigenden, emanzipatorischen Bildung wird zurückgedrängt. Stattdessen wird Bildung den Bedürfnissen des Marktes angepasst und damit selbst mehr und mehr zur Ware. Global sind es Verträge zwischen den „Industrienationen“ wie die GATS-Verträge und in Europa der sogenannte „Bologna-Prozess“, die den Kern solcher Reformen bilden. Auch für Lernende und Lehrende in Leipzig führen diese Entwicklungen zu einer weiteren Verschlechterung der Bildungssituation. LehrerInnen- und Ausbildungsplatzmangel, Leistungsdruck und Lernzwang, prekäre Beschäftigung und gravierende Umsetzungsschwierigkeiten bei den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen sind nur wenige Beispiele für Defizite im Bildungsbereich, die alle betreffen, von der KiTa über die Schule und Hochschule bis in die Ausbildungsstätten und Betriebe. Doch es regt sich Widerstand, wie Protestaktionen an Hochschulen und Schulen, in KiTas und Betrieben bundes- und weltweit zeigen.
In diesem Zusammenhang steht der bundesweite Bildungsstreik vom 15. bis 19. Juni 2009, an dem wir uns beteiligen!
Wir fordern daher für die Bildung:
Soziale Öffnung
Die neoliberale gesellschaftliche Umstrukturierung lässt auch den Bereich Bildung nicht unberührt. Sie bewirkt Elitenbildung statt Chancengleichheit, Selektion statt Integration aller sowie zunehmende Bildungskosten statt eines umfassenden Rechts auf kostenlose Bildung. Diese Entwicklungen zielen nicht auf eine Öffnung von Bildung, sondern auf eine stärkere Ausgrenzung ohnehin schon benachteiligter gesellschaftlicher Gruppen.
Deshalb fordern wir:
– eine kostenlose Bildung von der KiTa bis einschließlich zur Hochschule
– die soziale Absicherung aller Lernenden unter anderem durch elternunabhängiges und nichtzurückzuzahlendes Bafög, Lehr- und Lernmittelfreiheit, kostenlose Schulspeisung sowie eine existenzsichernde Mindestvergütung von Auszubildenden
– die Abschaffung jeglicher Diskriminierung, auch in ihrer institutionalisierten Form, zugunsten einer wirklichen Gleichberechtigung aller Menschen
– die Abschaffung von Bildungsbarrieren u.a. durch die Abschaffung des 3-gliedrigen
Schulsystem, aller Zugangsvoraussetzungen für Bildungsinstitutionen sowie die Schaffung
ausreichender (Aus)-Bildungsplätze
Demokratisierung
Je mehr Bildung zur Ware wird, desto mehr wird Demokratie in der Bildung auf eine Wahl zwischen gegebenen Angeboten reduziert. Mit Demokratie hat das allerdings nichts zu tun! Nur ein umfassendes und institutionalisiertes Mitspracherecht aller am Bildungssystem beteiligten Gruppen garantiert eine Demokratisierung, die diesen Namen auch verdient. Solange Demokratie an den Toren der Bildungseinrichtungen halt macht ist eine emanzipatorische Bildung nicht denkbar.
Deshalb fordern wir:
– die Demokratisierung aller Bildungsinstitutionen durch ein umfassendes, institutionalisiertes und paritätisches Mitspracherecht aller am Bildungsprozess beteiligten
– die Abschaffung aller autoritären und undemokratischen Hierarchien
– die Garantie der Meinungsfreiheit für SchülerInnen-, Studierenden- und Auszubildendenvertretungen durch ein umfassendes politisches Mandat ohne Repression
– radikaldemokratische Neufassung der gesetzlichen Grundlagen für Bildungseinrichtungen, z.B. des sächsischen Hochschulgesetzes
Abkehr von Wettbewerbs- und Verwertungslogik
Bildung verkommt nicht nur zu Ware – sie wird zu einem Mittel zum Zweck degradiert, welches auf einen nicht vorhandenen Mark ausgerichtet ist und arbeitsmarktfähige Effizienz zum obersten Ziel erklärt. Dabei werden Menschen auf unmenschliche Art und Weise diszipliniert, kontrolliert und zur Konformität gezwungen. So verlieren bereits junge Menschen jede kritische Reflexionsfähigkeit in der Auseinandersetzung mit den angebotenen Lehrinhalten und werden ihrer freien Entfaltung beraubt.
Deshalb fordern wir:
– Bildungseinrichtungen müssen ohne Beteiligung privater AkteurInnen garantiert und
vollumfänglich finanziert werden!
– Das Ende Leistungsorientierter Mittelvergabe
– die Abschaffung von Prüfungen und Noten als Leistungsvergleich bzw. konkurrenzorientierte Bewertungssysteme
– die Abkehr von auf Verwertung und Wettbewerb beruhenden Reformen wie des „Bologna-
Prozesses“ und sowie des achtjährigen Turboabiturs „G8“
– die Einstellung von Evaluationssystemen wie den PISA-Studien oder Rankings
Selbstbestimmtes Lernen
Das derzeitige Bildungssystem ist auf nahezu allen Ebenen autoritär orientiert und fördert dadurch passives Lernverhalten sowie die Entwicklung von Vermeidungsstrategien. Selbstbestimmtheit und Selbstorganisation in Lernprozessen und -strukturen sind Grundvoraussetzungen für Erkenntnisprozesse, die aus der Beziehung der Lernenden zum Lernstoff heraus motiviert sind und nicht durch Belohnungen oder Strafen von außen. Solche Erkenntnisprozesse sind für eine kritische gesellschaftliche Teilhabe unerlässlich.
Daher fordern wir:
– die Abschaffung von Kontrollmechanismen wie Anwesenheitslisten, Teilnahmebeschränkungen und Seminarrauswurf u.a. durch die Rücknahme der Oberstufenreform in Sachsen
– die Schaffung von Raum für eigenes Denken, Selbstorganisation und Kritik an den
Verhältnissen
– Etablierung offener, selbstbestimmter und alternativer Bildungskonzepte anstelle von Fremdbestimmung durch Lehrende
– Transparenz von Erziehungskonzepten und Einbeziehung von allen Beteiligten, auch Kindermeinungen
– die Abkehr von “Workload”-Erfassungen, Frontalunterricht und Sanktionen bei vorgeblichem “Fehlverhalten” oder “falschen Meinungen”
Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen
Nur mit einer deutlichen Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen kann eine Bildungsreform realisiert werden, was eine bessere staatliche Finanzierung von Bildung unumgänglich macht. Dabei darf der Staat auf keinen Fall die Verantwortung für Bildungsfinanzierung an Dritte abgeben, die zwangsläufig eigene Interessen verfolgen.
Deshalb fordern wir:
– mehr Lehrpersonal und kleinere Lerngruppen
– die Beendigung prekärer Beschäftigungsverhältnisse
– ein deutlicher Ausbau der Budgets für Lern- und Lehrmaterialien
– Öffnung der Bildungsinstitutionen für Angebote außerhalb des herkömmlichen Bildungskanons
– die Förderung aller Lernenden statt einseitiger Elitenbildung bspw. durch die Exzellenzinitiative
– die Finanzierung alternativer und demokratischer Bildungskonzepte
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3 Kommentare zu “15. - 19.6. Aktionstage zum Bildungsstreik in Leipzig”
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Beteiligt sich Leipzig auch jetzt, im November, am Bildungsstreik? Oder ist die Luft raus?
Unser Artikel aus Leipzig im Juni: http://iley.de/index.php?pageID=20000000&article=00000480
klar, am 24.11 ist doch demonstration.
http://www.smash-now.de/
apropos: http://www.stura.uni-leipzig.de/stura-cms/1498.html